Handelsverband: 3. Lockdown würde soziale, wirtschaftliche Lage verschärfen und 60.000 Arbeitsplätze akut gefährden!

Kolportiertes Freitesten, um Geschäfte zu betreten, wäre größtes Amazon-Förderungsprogramm in der Geschichte. Tag 1 des Lockdowns muss Tag 1 der Überweisungen der Hilfsgelder sein.

Mit größter Sorge hat der österreichische Handel vernommen, dass die Bundesregierung bereits heute Nachmittag – also nur 11 Einkaufstage (!) nach der Wiedereröffnung des stationären Non-Food Handels – in Abstimmung mit den Landeshauptleuten über einen dritten harten bundesweiten Lockdown ab 26. Dezember entscheiden wird. Der Handelsverband stellt daher nochmals in aller Deutlichkeit klar: Eine erneute behördliche Schließung des heimischen Non-Food Handels in dieser Phase hätte kurz- und mittelfristig gravierende ökonomische und soziale Auswirkungen.

Rainer Will Handelsverband

Das Weihnachtsgeschäft 2020 verläuft für die Handelsbranche äußerst durchwachsen. Der Nichtlebensmittelbereich verzeichnet im November und Dezember Umsatzrückgänge von -15 Prozent. Besonders betroffen sind kleine, stationäre Händler, 85 Prozent aller Händler gehen von Jahresverlusten über 30 Prozent aus.

‚Weihnachtsruhe‘ im Handel bedeutet ‚Weihnachtsunruhe‘ für Händler und Lieferanten.
„Das Weihnachtsgeschäft zwischen den Feiertagen ist von enormer Bedeutung, da Menschen Geld-, Gutschein- und Warengeschenke einlösen oder umtauschen, wodurch sich die Warenkörbe verbreitern und sich neue Kundenbeziehungen ergeben. Trotz größter Bemühungen des Handels um Gesundheits- und Hygienekonzepte, die sich in der Praxis bewährt haben, würden mit einem erneuten Lockdown mehr als 60.000 Jobs im österreichischen Non-Food Handel akut gefährdet werden. Darüber hinaus könnte eine derart kurzfristige Lockdown-Ankündigung aus epidemiologischer Sicht zu erneuten Verwerfungen vor und insbesondere nach der Ankündigung führen“, stellt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will klar.

In den Geschäftslokalen und im öffentlichen Raum hat sich stets auch Transparenz und die ordnungspolitische Handhabemöglichkeit positiv auf das Infektionsgeschehen ausgewirkt. Daher erachten wir diese Entwicklung als heikel. Sinnvoll wäre es daher, den öffentlichen Raum gezielt zu stärken, statt ihn durch einen undifferenzierten Lockdown zu schwächen.

„Für unsere Branche steht die Gesundheit der Bevölkerung immer an erster Stelle. Das wurde auch täglich bewiesen. Daher haben wir auch alle politischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-Krise konsequent mitgetragen. Doch der Handel war und ist kein Corona-Hotspot. Einkaufen ist aufgrund der strikten Einhaltung aller Hygienemaßnahmen absolut sicher, das haben wir in den 11 Tagen seit dem Ende des zweiten harten Lockdowns eindrucksvoll bewiesen. Unsere umfassenden Sicherheits- und Hygienekonzepte funktionieren“, ist Will überzeugt, „ein Freitesten, um Geschäftslokale ab 18. Jänner überhaupt wieder betreten zu dürfen – wie heute bereits medial kolportiert – wäre hingegen das größte Amazon-Förderungsprogramm in der Geschichte Österreichs und würde dem stationären Handel Kunden und damit Existenzgrundlage entziehen. Das wäre eine volkswirtschaftliche Katastrophe.“

Handelsmitarbeiter können nicht Kontrollfunktion für Freitesten übernehmen.
Sollte es tatsächlich zu einer de facto Testpflicht ab 18. Jänner kommen, um am öffentlichen Leben teilhaben zu können, wie dies aktuelle Medienberichte kolportieren, stellt der Handel klar, dass er hierfür nicht die Kontrollfunktion übernehmen kann. „Wir halten derartige Negativ-Anreize für wenig sinnvoll und eine Testpflicht als Voraussetzung für den Zutritt in die Geschäfte für kontraproduktiv. Vor allem ist völlig unklar, wie das überhaupt kontrolliert werden sollte. Sinnvoller wäre ein Positiv-Anreiz in Form von Einkaufsgutscheinen für alle, die sich freiwillig testen lassen“, appelliert Rainer Will an die Politik.

Handel braucht Planungssicherheit: Gesundheitsminister gefordert.
Der heimische Handel hat bisher immer Verständnis für die Corona-Maßnahmen des Gesundheitsministers gezeigt. Genau dieses Verständnis erwartet sich der Handel aber auch vom Gesundheitsminister. „Transparente Kommunikation ist die Basis für Planungssicherheit, sowohl für die Konsumenten als auch für die Händler. Was wir nicht brauchen können, sind vage Ankündigungen über etwaige Verschärfungen ohne entsprechend vorbereitete Verordnungen“, gibt Rainer Will, Sprecher des österreichischen Handels, den zunehmenden Frust der gesamten Branche wieder.

Kontaktloses ‚Click & Collect‘ muss im Falle eines dritten Lockdowns unbedingt erlaubt sein.
Sollte heute Nachmittag tatsächlich ein dritter harter Lockdown von 26. Dezember bis 18. Jänner beschlossen werden, muss dieses Mal zumindest rechtlich klar geregelt werden, dass kontaktloses ‚Click & Collect‘ zulässig ist, damit die Händler analog zu den Gastronomen zumindest Waren vor Ort ausgeben können. Das gebietet im Rechtsstaat Österreich schon der Gleichbehandlungsgrundsatz.

‚Click & Collect‘ würde zudem sicherstellen, dass die massiv belasteten Paketdienstleister im Dezember nicht noch stärker unter Druck kommen. Im Weihnachtsgeschäft werden zurzeit an manchen Tagen über eine Million Pakete zugestellt. Das hat bereits zahlreiche Paketdienstleister an ihre Grenzen gebracht.

Dritter harter Lockdown kostet 900 Millionen pro Woche, Nachholeffekte ungewiss.
Ähnliches gilt auch für den Lockdown-Umsatzersatz: Im Falle einer erneuten Schließung des gesamten heimischen Non-Food Handels erwartet sich die gesamte Branche – gerade in der wichtigsten Phase des Weihnachtsgeschäftes – jedenfalls einen Umsatzersatz von 80 Prozent im Dezember analog zur Gastronomie, Hotellerie und Glücksspiel. Auch indirekt betroffene Unternehmen und Sortimente müssen alsbald entschädigt werden. Auch die betragliche Begrenzung mit 800.000 Euro muss auf jeden Fall dringend entfallen, um tatsächlich eine Hilfe für mittelständische und große Händler sein zu können.

Die potenziellen Umsatzverluste pro Lockdown-Woche liegen im Handel bei rund 900 Millionen Euro. Sollte die behördliche Schließung des Handels tatsächlich von 26. Dezember bis 18. Jänner gelten, würde dies einen weiteren Umsatzverlust von bis zu 3 Milliarden Euro (ohne Berücksichtigung von etwaigen Nachholeffekten) bedeuten. Ein dritter Lockdown ohne faire Entschädigung würde massiv Arbeitsplätze vernichten. Allein im stationären Non-Food Einzelhandel sind bereits mehr als 60.000 Jobs akut gefährdet.

Beantragung der Corona-Hilfen muss endlich automatisiert werden.
Gerade den kleinsten Unternehmen steht ein Weihnachtsunfrieden bevor, daher erwarten sich alle Händler unbürokratische Beantragungsmöglichkeiten. Konkret müssen alle Hilfsprogramme automatisiert fortgeschrieben werden, damit im selben Monat nicht doppelt zu beantragen ist. Selbstverständlich müssen die Beihilfehöhen beim Umsatzersatz steigen, da die Situation durch eine dritte behördliche Schließung in der wichtigsten Zeit des Jahres für den Handel eine andere geworden ist.

„Wenn wir mit dem Handel die wichtigste Branche unserer Stadt- und Ortszentren weitgehend in die Insolvenz zwingen, ist das nach der Corona-Krise nicht einfach wieder zu beheben. Deshalb müssen die politischen Entscheidungsträger jetzt mit einem durchdachten Hilfsprogramm dafür sorgen, dass die krisengeschüttelten Unternehmen eine Perspektive haben, die über das Jahr 2020 hinausgeht. Tag 1 des harten Lockdowns muss Tag 1 der Überweisungen der Hilfsgelder sein, sagt Rainer Will abschließend.

Rückfragen & Kontakt:
Handelsverband
Mag. Gerald Kuehberger, MA
Pressesprecher
Tel.: +43 (1) 406 22 36 – 77
gerald.kuehberger@handelsverband.at
www.handelsverband.at

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